Mach mal alle Lichter aus! Unsere Augen gewöhnen sich in ein paar Minuten an die Dunkelheit/das Mondlicht und wir nehmen dann nicht nur die Sterne wahr, sondern auch eine ganz andere Welt.

Wenn die Dämmerung herein bricht, erwacht für ganz viele Tiere das Leben. Füchse, Fledermäuse, Nachtfalter, Eulen, Igel, Glühwürmchen. Für diese Tiere ist die Nacht überlebenswichtig.

30 % der Wirbeltiere und mehr als 60 % der Wirbellosen sind nachtaktiv, weitere dämmerungsaktiv. Fortpflanzung, Wanderung, Nahrungssuche, Bestäubung sind in der Dunkelheit für sie erst möglich. Über Jahrmillionen haben sich alle Tiere und Pflanzen an den Rhythmus von Tag und Nacht angepasst. Sie versuchen, im Schutz der Dunkelheit unentdeckt zu bleiben oder nutzen als Jäger, speziell ausgebildete Sinnesorgane, die in der Dunkelheit von Vorteil sind.

Frösche stimmen in der Abenddämmerung mit ihrem Paarungsruf ihr Konzert an. Schon bei geringem künstlichen Licht reduzieren Amphibien Männchen ihr Balzverhalten, was die Fortpflanzung beeinträchtigt.

Fledermäuse und Waldkäutzchen verlassen ihr Versteck bei Sonnenuntergang, um im Schutz der Dunkelheit unsichtbar auf Jagd zu gehen. Sie meiden Lichtquellen und verlieren durch beleuchtete Bereiche ihre Jagdgebiete.

Zugvögel Schwärme benutzen nachts einen „Sternenkompass“, dem sie folgen. Durch die nächtliche Beleuchtung verlieren sie die Orientierung oder werden fehlgeleitet. Längere Wege koste ihre Energiereserven oder sie kommen in „Lichtfallen“, in denen sie stundenlang im Kreis fliegen, bis sie erschöpft sterben oder mit dem Hindernis (Hochhäuser, Funktüme, Brücken) kollidieren.

Insekten

Auch Insekten orientieren sich an den Himmelsgestirnen, wenn sie Nahrung oder Partner für die Fortpflanzung suchen. Glühwürmchen verzaubern nicht nur uns Menschen, sie setzen die Lichtsignale zur Partnersuche ein.

Mehr als die Hälfte der Insekten sind nachtaktiv und sehen noch die geringste Lichtstärke. Sie werden von Licht angezogen, man nennt das den Staubsauger Effekt.

Schon eine einfache Straßenlaterne reicht aus – Motten, Mücken und andere Flattertiere umkreisen diese Nächte lange, bis sie erschöpft abstürzen, im Lampenschirm verbrennen oder gefressen werden. Schätzungen gehen von 150-400 Insekten pro Nacht pro Lampe aus. Jeder Nacht werden damit mehr als 1 Milliarden Insekten geopfert, die dem Ökosystem als Bestäuber für zahlreiche Pflanzenarten, sowie als Grundnahrungsmittel in der nachfolgenden Nahrungskette fehlen.

Pflanzen

Pflanzen brauchen Perioden der Dunkelheit. Ihre biologische Uhr steuert Stoffwechsel-Prozesse. Das hilft die Wasserverdunstung und den Nährstoffverlust zu reduzieren, um zu wachsen und zu überleben.

Nächtliche Dauerbeleuchtung stört den Wachstumszyklus vom Pflanzen. Bei Bäumen und Blütenpflanzen wird die Blütezeit verschoben und der Laubabwurf gestört. Pflanzen, die unter Lichtverschmutzung leiden, sind weniger fruchtbar, oft geschwächt oder Krankheitsanfälliger.

Beleuchtung im Garten

Mit Licht können wir den Garten stimmungsvoll in Szene setzen.
Aber Straßenlaternen, Fassadenstrahler, Flutlichtanlagen und jeder dauerhaft beleuchtete Garten verringern die letzten dunklen Rückzugsräume für nachtaktive Tiere.

Auch vermeintlich umweltfreundliche solar betriebenen Decoleuchten sind für Tiere problematisch. Besonders wenn sie in alle Richtungen strahlen locken sie Insekten besonders stark an und stören Tiere. Bei Kugelleuchten im Garten kommen bis zu 30 Lux am Boden an, zum Vergleich, die Lichtintensität einer Vollmondnacht liegt bei 0,1-0,3 Lux.

Was kann man tun?

Lichtverschmutzung lässt sich sofort beheben. Man muß nur das Licht abschalten.

  • Beleuchtung mit einem Bewegungsmelder oder einer Zeitschaltuhr ausstatten, damit sie nur leuchtet wenn sie tatsächlich benötigt wird. Vor allem nach 22:00 Uhr sollte es keine Beleuchtung geben.
  • Die richtige Beleuchtung wählen: warmweiße LEDs mit einem geringen Blau Anteil unter 3000 Kelvin, die gut abgeschirmt ist, so dass das Licht nur nach unten strahlt.
  • Auf unnötige leuchtende Gartendekoration, wie Solarleuchten, Lichterketten und Dauerbeleuchtung verzichten.

Earth Hour

Bei der Earth Hour am 28. März 2026 kann jeder mitmachen und ein Zeichen setzen.

www.wwf.de/earth-hour

Earth Night

Earth Night am 11. September 2026 – Licht aus für eine ganze Nacht, weltweit.

www.earth-night.info

Sternenparks

Das Naturphänomen Nacht ungestört erleben, die Milchstraße oder Sternbilder zu sehen. Bei dunklem Himmel kann man 3000-4000 Sterne sehen, in einer hellen Stadt keine 100.

Dark-Sky Gebiete sind Regionen in den Maßnahmen ergriffen werden, um die Lichtverschmutzung zu minimieren und den natürlichen Nachthimmel zu schützen. Die International Dark Sky Associaton, vergibt Auszeichnung an Regionen, die dann unter besonderem Schutz stehen. Man muss dafür gar nicht weit reisen, Sternenparks gibt es auch in Deutschland: das UNESCO Biospärereservat Rhön und Fulda, der Naturpark Westhavelland, der Nationalpark Eifel, der Naturpark Bayerischer Wald und mehrere Nordseeinseln.

Licht aus – Wie Kunstlicht die Natur verändert

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